Aus der Nähe betrachtet

Juliane Laitzsch, Bärbel Schlüter
Künstlerische Interventionen
im Kulturhistorischen Museum Magdeburg
17.5.2020 – 20.8.2020
(Keine Eröffnung …)


Die Künstlerinnen Juliane Laitzsch und Bärbel Schlüter treten mit Textilfragmenten aus dem Sammlungsbestand in Dialog und richten ihre Aufmerksamkeit auf Artefakte, die um 1900 begehrte Sammlungsobjekte waren. Im Fokus stehen spätantike Stofffragmente und historische Quasten, die sich seit ihrer Anschaffung im Magazin des Museums befinden. Wie verändert das Ausstellen die Sicht auf die Gegenstände? Was sehe ich eigentlich, wenn ich die Objekte betrachte? Die Künstlerinnen nehmen „Randobjekte“ der Sammlung zum Anlass, das Museum als einen Ort in der Zeit zu verhandeln. Gemeinsam ist den Arbeitsweisen der Künstlerinnen, ausgehend von Recherchen, Beobachtungen und Aufzeichnungen, vielfältige Bezüge her zu stellen.

Das Ausgangsmaterial für die Arbeiten von Bärbel Schlüter sind die im Depot bewahrten Quasten und die Notizen ihrer Inventarisierung. Aus der Erkundung der fast unbekannten Sammlung und insbesondere anhand der eigens erstellten digitalen Erfassung der Objekte, Karteikarten und Inventarbücher entwickelt Bärbel Schlüter eine Reihe an großformatigen Tableaus sowie eine kleine Serie von 3D-Objektmodellen. Referenzen zu archivierenden Praktiken – wie dem Fixieren, dem Beobachten und Ein- bzw. Auszoomen oder dem Erstellen von Repliken – werden angedeutet und zugleich zu ungewöhnlichen Sichtweisen weitergeführt. Imitation, Aneignung, Präsenz sind Facetten der Intervention, um Beziehungen herzustellen und ein „Sehen als“ zu ermöglichen. Bärbel Schlüter lenkt mit ihrer Arbeit die Aufmerksamkeit auf das Eigenleben der gelagerten Dinge und die Hinweise der musealen Objektidentifizierung. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Faszination der fein geknoteten Gebilde.

Juliane Laitzsch befasst sich mit 63 kleinen, etwa 1500 Jahre alten Textilfragmenten, die im 19. Jahrhundert in Ägypten ausgegraben und auf sechs Holzrahmen verteilt wurden. Mit ihren Zeichnungen befragt sie diese Objekte und den Prozess ihrer Betrachtung gleichermaßen. Verändert eine intensive Beobachtung der Rückseiten etwas? In einer anderen Serie von Zeichnungen werden Details so stark vergrößert das Nähe wieder in Fremdheit umschlägt. In Vorbereitung dieser Ausstellung ist Juliane Laitzsch nach Ägypten gereist. Der Maler Eugen Bracht ist im 19. Jahrhundert schon zu Studienzwecken dort gewesen. Sein großformatiges Bild, das den Berg Sinai zeigt, wird in der Ausstellung zu sehen sein. Zeichnungen von Juliane Laitzsch wiederum zeigen den Maler in seinem Atelier. Der Prozess des Betrachtens wird in der Geschichte und im Hier und Jetzt verankert. Das Zeichnen der Textilfragmente eröffnet neue Verknüpfungen von Zeit, Raum und Objekt.

Die Ausstellung erstreckt sich über drei Räume. Das Zentrum bildet ein Kabinettraum, indem die ausgewählten Objekte der Textilsammlung präsentiert sind. Von dort aus öffnen sich gegenüberliegend zwei Ausstellungsräume, in denen sich die Interventionen der Künstlerinnen entfalten. „Aus der Nähe betrachtet“ zeigt das Potential von „weniger wichtigen“ Objekten auf: Zeiträume aus zu loten, Zusammenhänge her zustellen und Bewertungen in Frage zu stellen. Die Lust am Schauen ist in mehrfacher Hinsicht zugleich Hintergrund und Ausblick der Ausstellung.

Kulturhistorische Museum Magdeburg
Otto-von-Guericke Straße 68 -73
39104 Magdeburg

Öffnungszeiten
Di bis Fr 10 – 17 Uhr, Sa und So 10 – 18 Uhr

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